Red Bull Salzburg

Friday, January 13, 2006

Diskutiere die wichtigsten Aussagen der Werke „Die Gabe“ von Marcel Mauss und „Rites de Passage“ von Arnold Van Gennep. Wie sind die beiden Autoren im Kontinuum ausgehend vom Durkheim’schen Werk bis zum Strukturalismus einzuordnen?


Marcel Mauss:

Biographie:

Marcel Mauss wurde am 10.05.1872 in Épinal geboren. Seine Eltern waren Gerson Mauss, ein Kleinunternehmer, und Rosine Mauss, eine Schwester von Emile Durkheim. Er besuchte bis 1890 das Lycée in Épinal, wo er mit dem Baccalauréat abschloss. Zwischen 1890 und 1892 studierte er Philosophie, Psychologie, Jura und Soziologie an der Université de Bordeaux, wo zu dieser Zeit sein Onkel, Emile Durkheim, tätig war.
Zwischen 1892 und 1900 studierte er vergleichende indo-europäische Linguistik, Indologie, Sanskrit, Hebräisch und Religionsgeschichte an der École Pratique des Hautes Études in Paris und 1895-1897 an der Sorbonne in Paris.
1895 erhielt er die Agrégation de Philosophie, seine Habilitationsschrift, „Le Priere“ (Das Gebet), wurde allerdings nie fertig gestellt.
Mauss war daneben auch immer wieder Mitglied in verschiedenen politischen Bewegungen.
Zwischen 1897-1898 machte er Studienreisen nach den Niederlanden und England.
Zwischen 1900-1902 war er Suppléant von Alfred Foucher (1865-1952) für Histoire des Religions de l’Inde (Geschichte indischer Religionen) an der École Pratique des Hautes Études in Paris.
Zwischen 1901-1939 hatte er eine Reihe von Professuren inne, unter anderem Maître de Conférences d’Histoire des Religions des Peuples non Civilisés (Dozent für Religionsgeschichte nicht-zivlilisierter Völker) an der École Pratique des Hautes Études in Paris, seit 1907 Directeur d’Études Adjoint und seit 1914 Directeur d’Étutes, seit Februar 1938 Président de la Vème Section de l’École Pratique des Hautes Études. 1939 Rücktritt wegen antisemitischer Tendenzen unter der Kollegenschaft.
Zusammen mit Émile Durkheim war er von 1901-1912 Herausgeber der Zeitschrift "L’Année sociologique" (Paris).
Zwischen 1906-1929 war Mauss zudem Chargé de Mission et Délégué du Gouvernement (Gesandter und Regierungsbeauftragter) in Deutschland, in der Sowjetunion und in Großbritannien.
Von 1913 bis 1925 war er Mitglied des Office Technique der "Fédération Nationale des Coopératives de Consommation" (F.N.C.C.).
In den Weltkriegsjahren 1914 bis 1919 war er Kriegsfreiwilliger Soldat im Ersten Weltkrieg.
Zwischen 1923-1925 gab er die Zeitschrift "L’Année sociologique. Nouvelle série" heraus (Paris).
1925-1929
Zusammen mit Lucien Lévy-Bruhl (1857-1939) und Paul Rivet (1876-1958) war Mauss 1925 Begründer des Institut d’Éthnologie an der Sorbonne in Paris, 1925-1929 zunächst Secrétaire Général (Generalsekretär), dann Professeur und Mitglied des Comité Directeur.
Weiters war er zwischen 1927-1939 Herausgeber des "Annuaire. École pratique des hautes études, section des sciences religieuses" (Paris) und von 1934 bis 1942 der "Annales sociologiques. Série A-E"
1931-1940 war er Professeur de Sociologie am neu geschaffenen Lehrstuhl am Collège de France in Paris (gewählt 1930).
Am 12. Oktober 1940, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich, bewirkt ein Erlass den Rücktritt von Mauss von seiner Professur am Collège de France. Er wird aus seiner Wohnung vertrieben und findet einen Unterschlupf in der Cité Universitaire.
Mit Erlass vom 21. November 1944 Reaktivierung als Professor am Collège de France (rückwirkend seit 23. November 1940), zugleich Genehmigung des Ruhestandes (rückwirkend mit 10. Mai 1942), danach betreibt er keine neuen Forschungen mehr.
Am 11.2.1950 stirbt Mauss in Paris.

Die Gabe (Essai sur le don: Forme et raison de l'échange dans les sociétés archaïques):

Die Gabe ist eines der frühesten Werke zum Thema Reziprozität und Geschenkaustausch und wurde erstmals in „L´Annee Sociologique“ (1925) veröffentlicht.
Der Essay hebt hervor, dass der Austausch von Geschenken Beziehungen zwischen den Menschen oder Gruppen bildet, die die Geschenke Austauschen. Er argumentierte, dass Gaben zu weiteren Gaben führen und so eine Basis für gegenseitige Solidarität aufgebaut wird.
Mauss greift auf die Studie des Kula von Bronislaw Malinowski zurück, aber auch auf den Potlach und auf ethnographische Studien in Polynesien, um zu zeigen, wie weit verbreitet Bräuche der Gabe sind.
Mauss untersucht in seinem Buch auch die Indische Geschichte und findet heraus, dass es durchaus auch in moderneren Gesellschaften zum Gabentausch kommen kann.
Zum Ende des Buches wirft Maus ein, dass auch in modernen, industrialisierten und säkularisierten Gesellschaften durchaus von einem Gabentausch profitiert werden könnte.

Auf empirischem Wissen beruhend, beschreibt er die verpflichtende Wirkung der Gabe. Wenn jemand ein Geschenk gibt, zeigt er dadurch, wie großzügig und wohlhabend er ist, während durch das Entgegennehmen der Gabe der schenkenden Person Respekt entgegengebracht wird. Gleichzeitig wird es zur Bedingung, dass der Beschenkte ein Geschenk zurückgibt, um zu zeigen, dass er in Großzügigkeit dem anderen um nichts nachsteht, und natürlich auch, dass er in der sozialern Lage und Stellung ist, ein Geschenk zurückzugeben. Man kann sein Ansehen in der Gesellschaft also dadurch beeinflussen, wenn man besonders großzügig mit seinen Geschenken umgeht. Das Geschenk bietet zudem noch eine Art Kraft, äquivalent zu dem polynesischen Wort Mana.
Mauss zeigt, dass Gaben in traditionellen Gesellschaften komplexere und vielseitigere Bedeutung haben als in modernen Gesellschaften.
Weiters ist das Geschenk für Mauss ein „universeller Platzhalter“, der für alle Aspekte einer Gesellschaft steht. Das Geschenk ist ökonomisch, politisch, verwandtschafts-orientiert, mythologisch, religiös, magisch, praxisbezogen, persönlich und sozial. In diesem Zusammenhang besteht die Kraft einer Gabe.


Arnold van Gennep:

Biographie:

Arnold van Gennep wurde am 23.04.1873 in Ludwigsburg geboren. Sein Vater war Leutnant am Königshof von Württemberg, seine Mutter stammte aus einer holländischen Patrizierfamilie. Im Alter von sechs Jahren ließen sich seinen Eltern scheiden.
Schon früh wurde van Gennep´s Sprachtalent erkannt, im Alter von acht jahren sprach er bereits Deutsch, Französisch und Holländisch, in der Schule lernte er Englisch, zudem bekam er privat Unterricht in Spanisch und Italienisch.
Nach der Schule ging er, gegen den Willen seines Stiefvaters, nach Paris und schrieb sich dort an der „Ecole des langues orientales“ und an der „Ecole pratiques des hautes etudes“ ein.
Von 1897 bis 1901 zog er mit seiner Frau nach Polen, um dort als Französischlehrer sein Geld zu verdienen. Nach seiner Rückkehr wurde er aufgrund seiner Sprachkenntnisse (in Polen lernte er Polnisch und Russisch) Leiter der Übersetzungsabteilung des Landwirtschaftsministeriums.
Zu dieser Zeit veröffentlichte er sein erstes Buch „Tabou et totemisme a Madagascar“ 1904, 1906 dann auch „mythes et legendes d´Australie“. Dies waren beides teile seiner Abschlussarbeit an der Ecole des hautes etudes.
1908 gab er seine Stellung bei der Regierung auf, 1909 schrieb er sein Hauptwerk „Les rites de passage“.
Danach begann er sich verstärkt mit der Ethnographie und Völkerkunde in Frankreich zu beschäftigen.
1912 erhielt er außerdem einen Lehrstuhl an der Universität in Neuchatel, wo er bis zum Jahr 1915 das Völkerkundemuseum neu organisierte. Diese Stellung verlor er allerdings wieder, da er die Schweiz wegen ihres deutschlandfreundlichen Kurses im1. Weltkrieg kritisierte.
Van Gennep kehrte nach Frankreich zurück, wo er nach dem Ende des Krieges vier Jahre für das französische Außenministerium arbeitete.
1920 erschien dann seine Doktorarbeit „L´etat actuel du probleme totemique“.
1922 kündigte er seine Stelle beim Außenministerium, um eine Vortragsreise in die USA und Kanada antreten zu können. Die strengte ihn so an, dass er beschloss, die wissenschaftliche Arbeit zu beenden, und sich als Hühnerzüchter nach Südfrankreich zurückzuziehen.
Sechs Monate später jedoch wurde van Gennep der Ruhestand zu viel, er kehrte nach Paris zurück, um dort seine Übersetzertätigkeit wieder aufzunehmen.
Nach dem 2. Weltkrieg erhielt er ein Forschungsstipendium des Centre National de Recherche Scientifique. Durch das Stipendium wurde ihm ermöglicht, in Ruhe an seinem mehrbändigen Werk „Le manuel de folklore francais contemporain“ (1937-1958) zu arbeiten.
Arnold van Gennep starb am 07.05.1957 im Alter von 84 Jahren.

Les Rites de Passage:

Van Gennep erkannte, dass jede Gesellschaft aus einer Vielzahl von sozialen Gruppierungen (zum Beispiel Familien-, Alters-, Lokal-, Berufs- und Religionsgruppen) zusammengesetzt ist. Weiters erkannte er, dass die Dynamik des sozialen Lebens ständige Grenzüberschreitungen fordert. Er folgerte, dass diese Grenzüberschreitungen die Ordnung des Soziallebens gefährden. Laut seiner Schlussfolgerungen gibt es daher in jeder Gesellschaft so genannte Übergangsrituale, die räumliche, zeitliche oder soziale Übergänge sowohl begleiten, als auch herbeiführen und kontrollieren.
Die neue Erkenntnis von van Gennep war, das diese Rituale, egal in welcher Gesellschaft oder Kultur, immer die gleiche Funktion und Form haben.
Die Rituale sind in drei Phasen aufgegliedert: Die Trennungsphase, in der man sich vom alten Zustand loslöst, die Schwellen- beziehungsweise Übergangsphase, in der man sich zwischen den beiden eindeutigen Zuständen befindet und die Angliederungsphase, in der man in die neue Ordnung integriert wird.
Trennungsriten symbolisieren die zeitweilige Auflösung der Ordnung, Schwellenriten markieren die gefährliche Phase zwischen dem alten und dem neuen Zustand und Angliederungsriten dienen der Wiederherstellung der Ordnung.
Van Gennep zeigte auch, dass nicht nur das tatsächliche Passieren einer Grenze ein Übergangsritus ist, sondern dass Übergangsriten generell ein räumliches Anschauungsmodell zugrunde liegt (zum Beispiel: der Tod wird als Übergang von unserer realen Welt in eine Totenwelt gesehen).
Bei seinen Forschungen bemerkte van Gennep auch, dass Zeremonien oft ein komplexeres Muster zugrunde liegt, als sich mit der drei Phasenstruktur belegen lässt. Manchmal ist eine der drei Phasen stärker ausgeprägt, oder sie zieht sich so in die Länge, dass sie sich wiederum in mehrere Unterphasen unterteilen lässt.
Es kann auch vorkommen, dass sich eine Phase nicht eindeutig zuordnen lässt, so kann es vorkommen, dass ein Ritus je nach Perspektive sowohl Trennungs-, als auch Eingliederungscharakter haben kann.
Vor allen von den französischen Ethnologen wurde van Genneps „Les Rites de Passage“ unterschätzt. So schrieb Marcel Mauss 1909 in „L´Anne sociologie“, das sein „Gesetz“ alle religiösen Vorstellungen und Riten regiere, den Rhythmus des Denkens bestimme und denUrsprung aller Philosophie von den alten Griechen bis zu Nietzsche bilde.
Außerdem warf er van Gennep vor, Fehler von Tylor und Frazer zu wiederholen, indem er sich nicht auf einige typische und sorgfältig erforschte Tatsachen konzentriere.
Van Gennep hatte durchaus ein System in seiner Forschung, er verglich immer gleiches mit gleichem (zum Beispiel Initiationsriten mit Initiationsriten). Außerdem erkannte er in den Riten eine dynamische Struktur und innere Logik, man kann die Erkenntnisse also als strukturalistisch und funktionalistisch bezeichnen.
Sein Werk wurde in England und den USA weit positiver aufgenommen, wohl auch, weil van Gennep eher eine empirische Forschungsweise an den Tag legte.


Das Durkheim´sche Spektrum:

Wie oben bereits erwähnt, hat van Gennep durch seine Ergebnisse der Übergangsriten einen strukturalistischen Lösungsansatz gemacht. Obwohl er von Marcel Mauss zeitlebens kritisiert wurde, stand er damit doch in der geistigen Nachfolge Durkheims.
Marcel Mauss war der Neffe von Emile Durkheim, wurde von diesem auch gefördert und stand ihm dadurch naturgemäß nahe. Zudem haben die Beiden zusammen das Journal „L´Annee Sociologique“ herausgegeben. Marcel Mauss dachte allerdings etwas empirischer als sein Onkel, obwohl er im allgemeinen auf die englische und amerikanische Anthropologie, die dem Empirismus seit jeher stark verbunden war, nicht gut zu sprechen war. Auch war Claude Levi-Strauss, der als Begründer des Strukturalismus gilt, ein Schüler von Mauss, was Mauss wiederum mit van Gennep in Verbindung bringt.


Quellen:

Klassiker der Religionswissenschaft; Herausgeber Axel Michaels;C.H.Beck,München,1997
http://www.anthrobase.com/Dic/eng/pers/mauss_marcel.htm
http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/mauss/31bio.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Gift_(book)
http://en.wikipedia.org/wiki/Mauss
http://en.wikipedia.org/wiki/Durkheim
http://en.wikipedia.org/wiki/Claude_Lévi-Strauss

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Thursday, November 24, 2005

Fragestellung: Welche Spezifika seines Werkes machen Durkheim zu einem wichtigen Einflussgeber der anthropologischen (bzw. sozialwissenschaftlichen) Theorienbildung des 20. Jahrhunderts? Worin bestehen die Neuerungen im Denken Durkheims, die spätere Forschungsrichtungen inspirierten?

1.: kurze Biographie Durkheims
David-Émile Durkheim wurde am 15.04.1858 geboren. Sein Vater, Rabbiner von Beruf, hieß Moïse Durkheim, seine Mutter Mélanie Durkheim.
Durkheim sollte ursprünglich auch Rabbiner werden, entschied sich aber anders und besuchte das Collège d’Épinal in Épinal, danach Studium der Philosophie an der École Normale Supérieure in Paris. Zwischen 1885 und 1886 lehrte er als Professeur de Philosophie am Lycée in Sens, Yonne, dann in Saint-Quentin, Aisne, zuletzt in Troyes, Aube.
Zwischen 1887 und 1902 lebte er in Bordeaux.Er wurde dort zum Mitglied der Université de Bordeaux. Zwischen 1887-1894 war er Chargé de Cours de Science Sociale et de Pédagogie (Lehrbeauftragter der Sozialwissenschaft und Pädagogik), zwischen 1894-1895 Professeur sans chaire de Science Sociale et de Pédagogie (außerordentlicher Professor der Sozialwissenschaft und Pädagogik), zwischen 1895-1896 Professeur sans chaire des Sciences Sociales (außerordentlicher Professor der Sozialwissenschaften), und zwischen 1896-1902 Professeur titulaire des Sciences Sociales (ordentlicher Professor der Sozialwissenschaften). Dieser Lehrstuhl wurde eigens für ihn eingerichtet und war der erste dieser Art in Frankreich.
Von 1902 bis 1917 lebte und arbeitete er in Paris.
Er war dort Gründer und bis 1917 Herausgeber der Zeitschrift „L’Année sociologique“.
Er wurde auch zum Mitglied der bekannten Sorbonne-Universität in Paris.
Zwischen1902-1906 war er Chargé de Cours de Pédagogie et de Sociologie (Lehrbeauftragter für Pädagogik und Soziologie), zwischen 1906-1913 Professeur titulaire de Science de l’Éducation (ordentlicher Professor der Erziehungswissenschaft) und zwischen 1913-1917 Professeur titulaire de l’Éducation et de la Sociologie (ordentlicher Professor der Pädagogik und Soziologie).
David-Émile Durkheim starb am 15.11.1917 an einem Schlaganfall in Paris.[1]

2.:Werk

2.1.:Einige der wichtigsten Arbeiten Durkheims:

2.1.a.: Le Suicide (Der Selbstmord), 1897
Durkheim untersucht die unterschiedlich hohen Selbsttötungsraten von Katholiken und Protestanten und kam zu dem Schluss, das der Unterschied auf die strengere soziale Kontrolle der Katholiken zurückzuführen sei.[2]
In diesem Werk entwickelt er auch den Begriff der Anomie, die er als Situation definiert, in der Verwirrung über soziale und/oder moralische Normen herrscht, die unklar oder schlicht nicht vorhanden sind. Dies führt nach Durkheim zu abweichendem Verhalten.[3]

2.1.b.: Les formes élémentaires de la vie religieuse (Die elementaren Formen des religiösen Lebens) 1912
Am Anfang seiner Überlegungen stellt Durkheim die Frage, wie es möglich sei, dass Religion eine Konstante aller Zivilisationen und Zeiten ist, wenn sie, wie von den meisten Wissenschaftlern seiner Zeit angenommen, einer bloßen Illusion entspreche. Durkheim kommt diesem Problem bei, indem er Religion als etwas prinzipiell symbolisches fasst. In diesem Sinne, so meinte er, gibt es keine falschen, illusorischen Religionen. Jede Religion repräsentiert eine spezifische Wahrheit. [4]
Durkheim versucht das Grundlegende, sozusagen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Religionen zu finden. Dazu wählt er die für ihn am ursprünglichsten erscheinende Religion, den Totemismus. Er fokussiert den Totemismus der australischen Aborigines. [5]
Als erstes beschreibt er die auf dem Clan-Denken beruhende Organisation dieser Ethnie und die Tatsache, dass sich jeder Clan mit einem Totemtier oder einer spezifischen Pflanzenart besonders verbunden fühlt. Diese Totems sind tabu und werden mit größtem Respekt behandelt. Sie stehen symbolisch für einen Clan, etwa in der Art, wie sich eine Nation mit einer Flagge identifiziert. Die Aborigines teilen nun aber alle Dinge ihrer Umwelt, seien dies Menschen, die Naturgewalten oder die Jahreszeiten, einem bestimmten Totem zu. So wird alles Bekannte in eine gewisse Systematik gebracht. Zentral ist nun, dass diese erste Stufe der menschlichen Systematisierung im Prinzip aus der sozialen Organisation (Clan) hervorgeht. Das Denken in Kategorien ist also nicht a priori dem menschlichen Geist eigen, sondern wird zuerst in der Organisation der Gesellschaft erfahren. [6]
Jedoch bezieht sich ein Totem aber nicht nur auf einen Bestimmten Clan, sondern auf ein allgemeines Totemistisches Prinzip. Dieses Prinzip bildet eine unpersönliche Kraft, welche allen Dingen Innewohnt, obwohl sie nicht identisch mit ihnen ist, ähnlich dem Animismus, wo auch alle Dinge von Geistern beziehungsweise Seelen bewohnt sind, ohne dass es Götter gibt. [7]
Der Totemismus steht also für zwei Dinge: erstens für diese abstrakte und unpersönliche Kraft, zweitens für den Clan. Wenn er, so meint Durkheim, gleichsam Symbol für das Göttliche und Symbol für die Gesellschaft ist, ist es dann nicht logisch, wenn man Gott und die Gesellschaft gleichsetzt? [8]
Daraus folgert Durkheim, dass es die Gesellschaft ist, die die Religion kreiert. [9] Religion ist für Durkheim dementsprechend ausschließlich ein Gemeinschaftserlebnis. Zum religiösen Gefühl kommt es nur in der Gemeinschaft durch das Gruppenerlebnis. [10]
Auch bei der Erklärung des Seelenglaubens geht Durkheim von der Gesellschaft aus. Die Idee der Seele ist "nothing other than the totemic principle incarnated in each individual" Die Seele repräsentiert die Gesellschaft, welche zwar vom Individuum verschieden ist, in jedem Individuum aber internalisiert ist. Die Seele wird als unsterblich konzipiert, da es die Gesellschaft auch ist.
Tabus und religiöse Verbote stammen aus einer Haltung des Respekts gegenüber geheiligten (totemistischen) Objekten und haben zum Ziel, diese respektvolle Haltung weiter zu erhalten. Das beinahe in allen Religionen vorhandene asketische Moment ist ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen. Gleichzeitig bringt die Askese symbolisch zum Ausdruck, dass die gesellschaftliche Ordnung nur durch das Zurücktreten individueller Wünsche und Bedürfnisse funktionieren kann. Das Opfer, ohne das die Götter nicht leben können, widerspiegelt ebenfalls den Sachverhalt, dass die Gesellschaft auf gewisse "Opfer" seitens der ihr angehörenden Individuen angewiesen ist.
Durkheim erklärt also Rituale funktionalistisch: Sie beziehen sich auf die zentralen Werte der Gesellschaft und sind notwendig für das Funktionieren des moralischen (Zusammen)Lebens. [11]

2.2.:Funktionalismus - Strukturalismus:

Durkheim prägte durch sein Wirken den britischen Funktionalismus und legte den Grundstein für den französischen Strukturalismus.

2.2.a.: Funktionalismus:
In der Soziologie und Ethnologie werden damit Theorieansätze bezeichnet, die soziale Phänomene auf ihre soziale Funktion in/für die betreffende Gesellschaft oder Gruppe hin zu erklären versuchen. In der soziologischen Systemtheorie bedeutet dies, dass Systemen eine Funktion (bezüglich ihrer Umwelt oder anderer Systeme oder Supersysteme) unterstellt wird, und Prozesse und Strukturen darin in Hinblick auf diese Funktion analysiert werden können.
Bedeutsam geworden sind solche funktionalistische Theorien, die dynamischen Prozesse richten. Man spricht hier vom Strukturfunktionalismus.
Die bedeutendsten Vertreter des sozialwissenschaftlichen Funktionalismus sind Bronislaw Malinowski und Alfred Radcliffe-Brown. [12]

2.2.b.:
Der Strukturalismus ist eine Forschungsmethode der Geisteswissenschaft, besonders der Linguistik, der Literaturwissenschaft, der Psychoanalyse, der Psychologie, der Soziologie und der Anthropologie. Außerdem war der Strukuralismus eine wichtige Strömung in Kunst und Architektur, insbesondere in den 1950er bis frühen 1970er Jahren.
Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells. (…) Der Strukturalismus erhebt tatsächlich den provozierenden Anspruch, Sprach-, Zeichen- und Kulturphänomene mit naturwissenschaftlicher Exaktheit zu beschreiben. Dieses Verfahren wurde in der Folge auf kulturelle Phänomene aller Art übertragen und zu differenzierten Analysetechniken weiterentwickelt. In allen Fällen wird versucht, die analysierten Phänomene mit einer Art "Gitternetz" zu erfassen, in dem jedes Element durch die Merkmale, Korrelationen und Oppositionen bestimmt ist, die sich aus dem Verhältnis der Elemente untereinander ableiten lassen. Nachdem der kulturbezogene Strukturalismus totgesagt war (etwa seit 1980), wirkten die strukturalistischen Methoden v.a. in der Semiotik und Literaturtheorie fort. Beziehungen bestehen auch zur Systemtheorie und zur Psychoanalyse. [13]
Als wichtigste Vertreter gelten hier Marcel Mauss, ein Neffe Durkheims und Claude Lévi-Strauss, der wichtige Beiträge zur Struktur von Familie und Clan vorgelegt und deren allgemeine Anwendbarkeit eröffnet hat. [14]





[1]vgl.: http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/durkheim/12bio.htm
[2]vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Émile_Durkheim
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Émile_Durkheim
[4] http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[5]vgl.: http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[6] http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[7]vgl.: http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[8] http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[9]vgl.: http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[10] http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[11] http://socio.ch/relsoc/t_fernandez.htm
[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Gesellschaft)
[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus
[14]vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus

Monday, October 31, 2005

Hallo!
Schauma mal was des bloggen so bringt